In ihrer Sitzung vom 25. März 2011 hat die Fachjury aus Vertreterinnen und Vertretern von bap, Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus fast 200 Bewerbungen zehn Projekte nominiert. Weiterhin hat sich die Jury entschieden, einen Medienpreis zu vergeben. Die Gewinner wurden am 5. Mai im Rahmen der Preisverleihung bekanntgegeben.

Nominiert für den Preis Politische Bildung sind:

„PARLAMENT – Kommunalwahlen in Slubfurt“
Träger: Slubfurt e.V., Frankfurt (Oder)

Dem Projekt „PARLAMENT- Kommunalwahlen“ geht 1999 die Gründung der im Register der Europäischen Städtenamen eingetragenen Stadt Slubfurt voran, die zur Hälfte in Deutschland und Polen liegt. Der Name entstand aus den einzelnen Bausteinen der betreffenden Städte Frankfurt und Slubice. Es folgte die Gründung eines Parlaments, getragen von Bürgern der Städte Frankfurt und Slubice. Auf der Basis des Slubfurter Grundgesetzes konnten Parteien gebildet werden und Kommunalwahlen stattfinden. Es sollten mindestens 6 Parteien entstehen, die im Wahlkampf gegeneinander antreten, sich in einem Rhetorikworkshop ausbilden lassen, Folder und Plakate inhaltlich entwickeln, auf einer Wahlkampfbühne ihr Können zeigen und sich nach der Wahl im frisch gewählten Parlament zur ersten konstituierenden Sitzung zusammenfinden. Das Projekt setzt sich auf komplexe Weise mit Fragen nach dem Entstehen von Wirklichkeit und Identität auseinander und der bürgergesellschaftlichen „Selbstgestaltung“ eines Stadtraumes, der in zwei Ländern mit zwei unterschiedlichen Gesellschafts- und Denksystemen und Sprachen liegt.

„Politik trifft Hartz IV. Neue Verbindungen wagen.“
Träger: Nell-Breuning-Haus, Herzogenrath

Vor Beginn des Projektes „Politik trifft Hartz IV“ lud das Nell-Breuning-Haus zu diesem Thema Betroffene Personen zu dem Seminar „Das Leben ist kein Ponyhof“ ein. Über kreative Methoden der Arbeit wie des politischen Theaters, der Fotografie und Pressearbeit wurde auch bildungsfernen Teilnehmenden der Zugang zum Thema ermöglicht. Das Seminar verfolgte zunächst einen biografischen Zugang zu Erfahrungen und Ressourcen, im zweiten Teil wurde diese Perspektive geöffnet um die Wahlmöglichkeiten, die sie als Bürger in Politik, Gemeinwesen und Kultur haben. Die aktive Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit dem Thema bewegte die Betroffenen dazu, ihre Anliegen zukünftig in politischer und kultureller Bildung platzieren zu wollen. In dem Projekt erarbeiteten die Teilnehmenden in zwei weiteren Seminaren Strategien zur Anwerbung weiterer Partner, um im Juni eine große Tagung vor Ort mit Landespolitikern der Region Aachen zum Thema Hartz IV zu veranstalten. Zugleich bildeten sie aus ihrem Kreis eine Steuerungsgruppe zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und Tagungsvorbereitung.Die drei Foren zur Tagungseröffnung waren „Jugend und Hartz IV“, „50plus und Hartz IV“ und „Familie und Hartz IV“. Die Arbeit vorab innerhalb dieser Themengebiete schloss sich der kreativen Vermittlung des „Ponyhof“- Seminars an. Abschließend diskutierten rund 200 Langzeitarbeitslose auf „Augenhöhe“ mit PolitikerInnen über die Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit – authentisch-lebensnah, die Situation von Langzeitarbeitslosen sichtbar machend.

„GenderCamp 2010“
Träger: ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V., Drochtersen-Hüll

Das vom Bildungs- und Tagungszentrum ins Leben gerufenen Projekt „Gender Camp 2010“ war das weltweit erste BarCamp zum Thema Geschlechterverhältnisse und Netzpolitik. Es umfasste insgesamt 25 Sessions, bei die Teilnehmenden in Form von Präsentationen, Lesungen, Bastel-Sessions, kreativer Textarbeit oder als interaktive Web-Browsing-Session Themen rund um die Eckpfeiler Internet und Geschlechterverhältnisse diskutiert und abschließend ein Auswertungsplenum erstellt wurde. Die Idee des Gender Camps liegt den sogenannten BarCamps zugrunde, bei denen es sich um offene, im Netzwerk konzipierte Tagungen handelt, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmenden selbst bestimmt werden. BarCamps mit politischer Bildung zu vereinen und dieses Format in klassischen Bildungsstätten durchzuführen ist neu. Mit dieser Veranstaltung konnten erfolgreich neue Zielgruppen für die politische Bildung gewonnen werden.

„VHS-Politikwerkstatt“
Träger: VHS im FoKuS Selm AöR

Das Projekt „VHS-Politikwerkstatt“ verfolgt das Ziel, gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern wichtige lokalpolitische Themen zu bearbeiten. Als erster inhaltlicher Block wurde 2010 die Verschuldung der Stadt Selm angegangen und eine Petition zu dieser Thematik an den Petitionsausschuss des Landtages Nordrhein-Westfalen verfasst. In Zusammenarbeit mit der Kämmerin der Stadt Selm wurden Bürgerbeteiligungsforen durchgeführt, Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe sammelten Unterschriften und Sparvorschläge von Bürgern und Bürgerinnen wurden zusammengetragen. Im laufenden Jahr setzt sich die VHS-Politikwerkstatt mit der stetigen Abnahme der Schülerzahlen und den Problematiken der einzelnen Schulformen auseinander. Ziel ist es, dem Rat der Stadt Selm mit den Ergebnissen der VHS-Politikwerkstatt Impulse für künftige Entscheidungen zu geben.

„Arbeit im Integrationsrat“
Träger: Akademie Klausenhof gGmbH, Hamminkeln-Dingden

Ziel des Projektes „Arbeit im Integrationsrat“ ist es, Menschen mit Migrationshintergrund das Kennenlernen der Arbeitsstrukturen eines Integrationsrates, die Grundlagen rechtlicher Bedingungen, Grundzüge politisch-rhetorischen Handelns, die Anwendung politischer Partizipationsmöglichkeiten, die Argumentationsentwicklung und die Analyse und Reflexion anderer politischer Meinungen zu eröffnen. Die einzelnen Inhalte des Seminars bestanden aus einem Referat über die rechtlichen Grundlagen in der Arbeit eines Integrationrates mit anschließender Diskussion und Praxisbeispielen, einem teilnehmerorientierten, rhetorisch, politisch, argumentativen Teil und dem in der Akademie Klausenhof entwickelten kommunal politischen Planspiel „Zoff in Steuverhoff“. Hier lernten die Teilnehmenden anhand einer fiktiven Bearbeitung eines realen Problems den Graustreifen zwischen Agitation, politischer Rhetorik und Diplomatie kennen.

„EuropeanYouthVoice – Internetzeitung von Jugendlichen für Jugendliche“
Träger: aktuelles forum nrw. e.V., Gelsenkirchen

Mit dem Projekt der Internetzeitung EuropeanYouthVoice will das aktuelle forum nrw. e.V. zur europäischen Verständigung beitragen. Die Projektidee beinhaltet die Schaffung einer europäischen Öffentlichkeit von Jugendlichen für Jugendliche durch die Herausgabe einer europäischen Internetzeitung. Das Projekt bietet der Zielgruppe einen Blick sowohl auf ihr eigenes als auch auf die anderen Länder Europas. Ihre Themen, Interessen, Wünsche und Ziele bilden den Inhalt dieser gesamteuropäischen Zeitung. Dieser entsteht durch die Recherchen, Veröffentlichungen und Kommentare der AutorInnen und NutzerInnen. Die jugendgemäße Seite will für europäische Themen begeistern und dies mit Neugier, Information und Unterhaltung und damit junge Leute für eine gesellschaftliche, politische und publizistische Arbeit am gemeinsamen Europa gewinnen.

„Das Berlin jugendFORUM und polli-magazin“
Träger: wannseeFORUM, Berlin

Das Berliner jugendFORUM ist eine jugendpolitische Veranstaltung, die Menschen aus allen Stadtteilen und Schichten, junge Migrantlnnen, Engagierte aus sozialen Projekten und Organisationen, Künstlerinnen und zahlreiche PolitikerInnen zusammenbringt. Beim jugendFORUM werden die wichtigsten Themen des Jahres von Jugendlichen bestimmt und mit PolitikerInnen im Abgeordnetenhaus von Berl in in acht Gruppen diskutiert. Seit Ende 2007 gibt es beim jugend FORUM außerdem das polli-magazin, für das sowohl Jugendliche, junge JournalistInnen als auch Abgeordnete jeden Montag Artikel zu gesellschaftlichen und politischen Themen verfassen, die von LeserInnen kommentiert werden können. Zusätzlich wird eine thematisch passende „Umfrage der Woche“ veröffentlicht, die NutzerInnen in den Diskurs einbezieht.

„Kinder- und Jugendbeteiligung im Stadtumbau“
Träger: Kinderring Berlin e.V., Berlin

Das Projekt „Kinder- und Jugendbeteiligung im Stadtumbau“ hat es sich zum Ziel gemacht, Kinder und Jugendliche durch Einbeziehung in den Stadtumbau spielerisch an politische Themen und die daraus folgenden konkreten Veränderungen im Lebensumfeld und im Gemeinwesen zu erleben. Sie setzen sich mit den Inhalten, Prozessen sowie PolitikerInnen auseinander und steigen tiefer in die Materie von Mitbestimmung und Mitgestaltung ein. Mit speziellen Kinderbüros und -sprechstunden bei relevanten Entscheidungsträgern und Parlamentariern wird den Vorstellungen der Kinder über die Themen, die sie betreffen, wie beispielsweise die Gestaltung von Spielplätzen, Fahrradwegen, Sportplätzen oder der Schulhöfen ein offenes Ohr geschaffen und ihre Anliegen ernst genommen. Der vorrangige Schwerpunkt dieses Projektes lag in der schüler- und schülerinnenfreundlichen Umgestaltung der Straßenkreuzung vor der Klecks-Grundschule in Berlin-Pankow.

„Magdeburg wählt!“
Träger: Jugendforum Magdeburg, Magdeburg

Das Ziel des Projektes „Magdeburg wählt!“ ist es, junge Wähler und Nichtwähler auf die bevorstehenden Kommunalwahlen 2009 in Magdeburg aufmerksam zu machen. Für die Aktion „Alle in einem Boot“ wurde ein Bootsanleger im Magdeburger Stadtpark für einen Nachmittag gemietet. Die Jugendlichen drehten mit von ihnen gewählten Kommunalwahlkandidaten eine Runde mit dem Boot und stellten ihnen Fragen zu den anstehenden Wahlen. Neben dieser Aktion traten auch lokale bekannte Bands und Theater- und Kabarettgruppen auf, um die Jugendlichen an den Ort des Projektes zu locken. Ein weiteres Extra waren die „jugendlichen Experten“, die vor Ort unterwegs waren und anderen jungen Erwachsenen zahlreiche Fragen über die Wahlen und das Wählen an sich beantworteten. Damit waren sie an diesem Tag nicht nur Teilnehmer, sondern auch Mitausrichter des Projektes.

„Du hast die Wahl 2009! Die Erstwählerkonferenz“
Träger: v.f.h. Verein zur Förderung politischen Handelns e.V., Bonn

Das Ziel des Projektes „Du hast die Wahl 2009! Die Erstwählerkonferenz“ ist es, Erstwählerinnen und Erstwähler auf ihrem Weg zu einer informierten Wahlentscheidung für die Bundestagswahl 2009 zu unterstützen und um die Wahlskepsis überwinden zu helfen. Mit Hilfe der Wahlkonferenzen sollten die ErstwählerInnen den Wahlakt ausprobieren können, Themen, Parteipositionen und dahinterliegende Wertentscheidungen kennenlernen, die Herausforderung politischer Aushandlungsprozesse erleben und die Distanz zu PolitkerInnen überwinden. Nach der Veranstaltung konnten die Teilnehmenden als Wahl-BotschafterInnen an ihren Schulen und in ihrem sozialen Umfeld agieren und die geweckte Lust auf Wahlbeteiligung und politische Partizipation weitertragen. Auftakt und Abschluss der Veranstaltungen bildeten Probewahlen, die ErstwählerInnen mit dem Wahlvorgang vertraut machten.

„Radio CORAX“
Träger: CORAX e.V., Halle/Saale

Radio CORAX ist ein gemeinnütziges Projekt, an dem sich Menschen unterschiedlicher altersgemäßer, sozialer und kultureller Herkünfte zusammenschließen und sich über das Medium Radio Gehör verschaffen. Empfangen wird Radio CORAX 24 Stunden täglich zwischen Leipzig und Magdeburg. Über Workshops und mit Hilfe von Patenschaften können sich Teilnehmende Radio- und Medienkompetenz aneignen. Hier wird besonderes Augenmerk auf den spezifischen Background der Betreffenden gelegt, wie etwa Sprache, Alter und geschlechtsspezifische Gegebenheiten. Alle Programminhalte werden ehrenamtlich produziert. Die entstehende Rückkopplung zwischen den Radio-Machenden und den Hörern von Radio CORAX und daraus entstehende Debatten zu soziokulturellen und gesellschaftspolitischen Themen zeichnen die Vielfalt des Mediums aus.

„PHOENIX-Politiker-Speed-Dating – ein Jahr Schwarz-Gelb“ und „Schlichtungsgespräche zu dem Bahnprojekt Stuttgart 21“
Einreicher: PHOENIX, Bonn

In der programmatischen Ausrichtung des Nachrichtensenders ist zu lesen: PHOENIX dient der politischen Meinungs- und Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger, es sollen Hintergründe erhellt und Zusammenhänge dargestellt werden. Damit soll der Spartenkanal den demokratischen Parlamentarismus und die europäische Integration fördern.  Mit den Projekten „PHOENIX-Politiker-Speed-Dating“ und „Schlichtungsgespräche zu dem Bahnprojekt Stuttgart 21“ ist es PHOENIX gelungen, mit unkonventionellen Formen (Speed-Dating) und einer groß angelegten und medial aufbereiteten Darstellung eines Großprojektes ein politisches Vorhaben Interesse zu wecken und die über einen langen Zeitraum wach zu halten.